Aktuelles aus Berlin

01.09.2011

Politik zum Anfassen und Mitmachen

Mehr Geld für Chancengleichheit

Anlässlich der Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September 2011 lud die Berliner Landeskoordination von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unter der Leitung von Sanem Kleff zu einer Veranstaltungsreihe von Berliner SchülerInnen mit Berliner PolitikerInnen ein. Unter dem Motto „Chancengleichheit für alle in Berlin! Stand und Perspektiven der Menschenrechtserziehung“ diskutierten die bildungspolitischen Sprecher von SPD, CDU, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP mit SchülerInnen aus verschiedenen Sekundarschulen und Gymnasien über die Unterstützungsmöglichkeiten für Antidiskriminierungsarbeit und Vielfalt an den Schulen.

Eines der Hauptthemen dieser Veranstaltung war der Faktor Zeit.

In der Kritik vor allem der SchülerInnen, stand die hohe Pflicht-Stundenbelastung in der Oberstufe. Zwar wollte niemand auf dem Podium die Schulzeitverkürzung für Gymnasien (G8) zurücknehmen. Aber es gab eine lebhafte Diskussion darüber, wie mit den Lehr- und Rahmenplänen umzugehen sei. So merkte der Linken-Abgeordnete Steffen Zillich an, wenn „das Lernen fächerübergreifend, interdisziplinär organisiert wird, gewinnt man Zeit, die dann für die Demokratie- und Menschenrechtserziehung verwendet werden könnte“. Auch die Grünen halten eine Revision der Inhalte und damit ein „Entrümpeln der Rahmen- und Lehrpläne“ für unumgänglich. Und in diesem Zusammenhang, so Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen), müsste man auch über neue Arbeitszeitmodelle für LehrerInnen nachdenken.

Sanem Kleffs Forderung, dass mehr Lehrpersonal mit Migrationshintergrund eingestellt werden sollte, teilten alle PolitikerInnen. Da eine Quote rechtlich unzulässig ist, einigte man sich auf die Herkunftssprache als Qualifizierungsmerkmal. Auch eine bessere finanzielle Unterstützung der Schulen war Thema. So verlangte z. B. Hans-Jürgen Pokall (CDU) mehr LehrerInnen zu beschäftigen und mahnte die Bezirke, Schulen bei der Renovierung wichtiger zu nehmen als die eigenen Bürohäuser. Auch Mutlu setzte sich für mehr Personal und mehr Geld ein: „Die Schulen brauchen 400 zusätzliche LehrerInnen und die Mittel für die Schulsanierungen müssen verdoppelt werden.“ Und Sanem Kleff ergänzte: „Wir brauchen dringend mehr sozialpädagogisches Personal an den Schulen.“

Parteienvertreter betonten, dass die Gemeinschaftsschule ein wichtiger Schritt in Richtung individueller Förderung sei. Steffen Zillich (Die Linke): „Die beste Bildung kann es nur mit einer bestmöglichen individuellen Förderung geben - die Linke plant den weiteren Ausbau der Gemeinschaftsschulen.“

Auf die drängende Frage der anwesenden AbiturientInnen, warum nicht genügend Studienplätze für die Doppeljahrgänge vorhanden sind, erklärte Felicitas Tesch (SPD): Der Senat habe sowohl von den Universitäten als auch von der Handwerkskammer Zusagen für zusätzliche Ausbildungs- und Studienplätze bekommen. Aber eine Bevorzugung der Berliner Absolventen widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz. Auch die Abschaffung der Wehrpflicht führe im Moment zu Engpässen bei der Platzvergabe. Mieke Senftleben (FDP) erhofft sich eine umfassendere Berufsberatung an den Schulen: „SchülerInnen sollten die Informationen vor allem frühzeitiger bekommen und sich kompetent beraten lassen können.“ Dann fiele es ihnen auch leichter, ihre Ausbildung in anderen Ländern zu beginnen.

Und weil das Beschwerdemanagement etwa bei Mobbingfällen nur unzureichend für LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen funktioniert, einigten sich die ParteienvertreterInnen auf die Einführung einer Art Kummerkasten-Hotline.

Zum Ende der Veranstaltung wünschten sich die SchülerInnen das muslimische Zuckerfest als allgemeinen Feiertag – zumindest in Berlin. Doch die PolitikerInnen waren nicht zu überzeugen. Ihre einhellige Meinung: „Dann müssten wir an allen religiöse Feiertagen die Schulen schließen. Das kann nicht in eurem Interesse sein – dann gebe es viel zu wenig Unterricht.“