Holocaustgedenktag

Viele Courage-Schulen begingen heute den Holocaustgedenktag – mit Projekttag, Stolpersteinspaziergang oder Gedenkstättenbesuch.

Die Landeskoordination Berlin lädt seit vielen Jahren Courage-Schulen am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, zur Kranzniederlegung am Nollendorfplatz in Berlin ein. Sie gedenkt dort queerer Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und getötet wurden – einer Opfergruppe, die häufig in der Erinnerungskultur vergessen wird.

In diesem Jahr war sie gemeinsam mit der Geschäftsführung der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, Zonya Dengi und Carsten Völtzke, Vertreter*innen von MANN-O-METER e. V., dem LSVD Brandenburg und der GEW Berlin sowie Schüler*innen der Werbellinsee-Grundschule mit ihrem Schul-Paten Sebastian Walter vor Ort. Es gab einige kurze, eindringliche Redebeiträge.

Carsten Völtzke, Geschäftsführer Struktur und Qualität von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, wies in einer Rede darauf hin, dass der Kiez um den Nollendorfplatz eine lange Geschichte queeren Lebens hat – lange bevor die Nationalsozialisten versuchten, diese Vielfalt auszulöschen. Er mahnte an: Ein „Nie wieder“ sei besonders jetzt wieder relevant. Candy Spilski von MAN-O-METER betonte, dass die Verfolgung queerer Menschen 1945 nicht endete. So stand Homosexualität unter Männern in der Bundesrepublik gemäß § 175 noch bis 1994 unter Strafe. Bis heute fehle es an einer umfassenden juristischen Aufarbeitung. Florian Winkler-Schwarz, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg e. V., zeigte anschließend auf, dass die Angriffe auf queere Menschen, Organisationen und Orte angestiegen seien; beispielsweise auf die Büroräume von MANN-O-METER und die Gedenktafel am Nollendorfplatz. Felicia Kompio, Vorsitzende der GEW Berlin erinnerte an die Rolle der Bildung, wenn es darum geht, vielfältige Lebensweisen sichtbar zu machen und als selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft zu verstehen.

Die Courage-Schüler*innen brachten eine Tafel mit einem Bild der Holocaustüberlebenden und 2021 verstorbenen Esther Bejarano und weiße Rosen aus Papier mit. In einem Kurzinterview mit Carsten Völtzke sprachen sie über ihre Eindrücke und Gedanken. Danach wurde es für eine Minute lang still. Nach der Schweigeminute legten die Anwesenden ihre Kränze und Blumen an der Gedenktafel nieder.