Mobbing

„Hier stinkt es!“, sagt Michael beim Betreten des Klassenzimmers und schaut dabei grinsend zu Jan. Die Klasse kichert. Jan wird rot. Er schaut intensiv auf sein Smartphone und tut, als hätte er nichts gehört. Jan kennt das. Er weiß, dass es hier nicht um eine unbedachte Äußerung im Streit geht. Seit Monaten erlebt er Situationen wie diese. Und ihm ist klar: Das war noch nicht alles; auch für heute nicht. Nach dem Unterricht werden andere Schüler*innen weitermachen. Jan wird von seinen Klassenkamerad*innen gemobbt.

Helfer*innen und Möglichmacher*innen

Zwar beteiligen sich nicht alle Mitschüler*innen an den Aggressionen gegen Jan . Aber es gibt eine ganze Reihe, die meinen: „Ist doch alles nicht so schlimm. Was stellt der sich so an? Ein bisschen Spaß muss er schon verstehen.“ Folglich sehen sie auch keinen Grund, sich mit diesen Vorfällen zu beschäftigen. Anderen ist unwohl bei dem, was sich vor ihren Augen abspielt. Sie haben ein flaues Gefühl im Magen, wenn sie die miesen Sprüche hören. Manchmal würden sie sogar gern einschreiten.Sie tun es aber nicht, weil sie selbst keine Probleme bekommen wollen. Nun haben sie ein schlechtes Gewissen. Deswegen trauen sie sich nicht, Jan zu sagen, dass sie das alles nicht richtig finden. Lieber wenden sie sich von ihm ab und sprechen mit ihren Freund*innen über etwas anderes.

Und dann gibt es noch Schüler*innen, die nichts von alldem mitbekommen, weil sie mit ihren Gedanken meist ganz woanders sind. Sie interessiert nicht, was um sie herum in der Schule geschieht. Sie schauen zu, wenn die Täter*innen angreifen und werden so zu ihren Helfer*innen.

Ein typisches Merkmal von Mobbing ist auch: Es endet nicht am Schultor. Insbesondere auf dem Weg zur oder von der Schule folgen häufig körperliche Angriffe oder Überfälle.

Mobbing im Lehrer*innenzimmer

Auch Pädagog*innen werden Opfer von Mobbing; von Schüler*innen wie von Pädagog*innen. Sie sprechen aber selten darüber, weil sie an ihrem Arbeitsplatz erfolgreich sein wollen. Würden sie bekanntmachen, dass sie gemobbt werden, so denken sie, wäre damit zugleich ihre Professionalität in Frage gestellt. Häufig werden dabei Indiskretionen aus dem Privatleben des Mobbing-Opfers gestreut und abfällige Witze gemacht werden. Die Bemerkungen bewegen sich in einer Grauzone, die viel Raum für Spekulationen lässt, etwa: „So, Frau Schneider hat sich also schon wieder krank gemeldet… . “ Die Auswirkungen von Mobbing im Lehrer*innenzimmer gehen weit über das Kollegium hinaus. Sie belasten das Schulklima.

Cybermobbing

Mobbing im Internet, in sozialen Netzwerken, per Nachricht oder per E-Mail oder via SMS nennen wir Cybermobbing. Es zielt auf dieselben Effekte wie analoges Mobbing. Durch seine räumlich und zeitlich unbegrenzten Zugriffsmöglichkeiten verfügt es allerdings über ein deutlich erweitertes und gefährliches Repertoire. Via Facebook oder Instagram können Bilder in Sekundenschnelle geteilt werden und liefern so das Opfer Hohn und Spott aus. Sie geben auch die Chance, die Angriffe zu vervielfältigen und weiter zu verbreiten.

Auch wenn die vermeintlich anonyme und ungeregelte virtuelle Welt Täterinnen ermutigt, aggressiv gegen ihre Opfer vorzugehen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Beleidigungen, die über das Netz verbreitet werden, sind strafbar. Ein Screenshot kann ein erster Beleg sein, mit dessen Hilfe die Täterinnen überführt werden.

Selbstwertgefühl stärken

Erfolgreiche Gegenmaßnahmen zielen grundsätzlich darauf ab, das Selbstwertgefühl aller Schulmitglieder zu stärken. Wenn das gelingt, steigt auch die Bereitschaft und auch die Kompetenz, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Wer andere Menschen erniedrigt, hat ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich selbst zu erhöhen und stark zu fühlen.

Wichtige Fragen bei der Bekämpfung von Mobbing sind zudem:

Ein soziales, angstfreies Schulklima sowie eine intensive Kommunikation im Schulalltag können bereits mit einfachen Instrumenten wie dem Klassenrat oder einer aktiven Schüler*innenvertretung gefördert werden.

Je mehr Möglichkeiten es an einer Schule gibt, das respektvolle und solidarische Miteinander zu stärken und sich mit Ursachen und Auswirkungen von Mobbing und Cybermobbing auseinanderzusetzen, desto effektiver wird dieses verhindert.


Mehr dazu findet ihr hier in dem Baustein „Unser Präventionsansatz“ und den Handbüchern „Lernziel: Gleichwertigkeit“ für die Grund- und Sekundarstufe.

Die Landeskoordination Berlin bietet mit dem innovativen Veranstaltungsformat einer ganztägigen „Werkstatt gegen Mobbing“ viele Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Mobbing. Zahlreiche Workshops bieten Ideen, die im Schulalltag weitergeführt werden können, ermuntern, selber aktiv zu werden, damit Mobbing keinen Raum bekommt in der Klasse. In den Anti-Mobbing-Workshops können PädagogInnen ihre Erfahrungen im Umgang mit Mobbing austauschen und neue Handlungsoptionen kennenlernen.

Die Werkstatt gegen Mobbing 2020 fand in Kooperation mit „Couragiert gegen Mobbing“, dem Modellprojekt der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt. Im Rahmen des Modellprojektes wird die Idee einer Werkstatt gegen Mobbing, die 2018 erstmals in Berlin stattfand, bundesweit umgesetzt.